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MEIN WEG ZUM GELUNGENEN SCHULSTART – Wie werden die Kinder im IchDuWir auf die Schule vorbereitet? 

Das war das Thema des pädagogischen Schwerpunktes dieses Abends. Eine wichtige Erkenntnis ist: die Vorbereitung beginnt nicht etwa erst mit dem Vorschuljahr, sondern bereits mit dem 1. Tag im Kinderhaus. Denn schon für die Kleinsten ist es essenziell, soziale und emotionale Kompetenzen zu erlernen… sich selbst spüren, die eigenen Grenzen erforschen und kommunizieren, Konfliktfähigkeit und Frustrationstoleranz. Beim Aufbau all dieser Fähigkeiten begleiten die Pädagoginnen unsere Kinder liebevoll und konsequent.  

Hierbei ist es besonders wichtig, die sogenannten Transitionen– also einschneidende Übergänge im Leben des Kindes – zu begleiten. Besonders beim Übergang vom Nur-Zuhause-Sein in eine Fremdbetreuung müssen die Kleinkinder und auch die Eltern feinfühlig begleitet werden. Dabei sind die größten Meilensteine vor allem der 1. Tag (was für eine Aufregung bei Eltern und Kind), die erste Trennung (das „Belassen“ des Kindes im Kinderhaus) sowie die abgeschlossene Eingewöhnung.  

Das Selbstwertgefühl, das Kinder in den ersten Lebensjahren erlangen, ist notwendig für die Schule, denn hier passiert ein weiterer einschneidender Übergang: diese große Phase im Leben eines Kindes nennt sich umgangssprachlich Zahnlücken-Pubertät und bedeutet quasi den Übergang vom Kleinkind zum Kind. Dies passiert meistens im Vorschuljahr.  

Für Eltern und Kind ist das eine nächste große Herausforderung, denn das Kind durchläuft eine massive körperliche und geistige Entwicklung. Auf physischer Ebene bedeutet dies eine Verschiebung der Körpermitte, große Tollpatschigkeit und Unbedarftheit. Prägend für diese Zeit sind Wutanfälle, Gereiztheit, schlechte Laune, eine „ist mir doch egal“-Haltung, unfolgsam sein – kurzum einen emotional schwierigen Zustand, großes Gefühlschaos. Im Grunde möchten die Kinder aber nur ihren eigenen Willen durchsetzen und ihre Selbstbestimmung einfordern.  

Auf der anderen Seite zeigen die Kinder zwischendurch aber auch eine große Anhänglichkeit. Daher ist es ist wichtig, ihnen Nähe und Geborgenheit zu geben, wenn sie dies einfordern.   

Wie werden die Kinder nun auf das “Leben nach dem Kinderhaus” vorbereitet? 

In der Oben-Gruppe (1,5-3jährige) werden zwei Dinge kultiviert: Zeit lassen und Geduld. Durch soziale Lernaufgaben sollen Kinder elementare Fähigkeiten lernen, wie zB. Spielzeuge teilen, Kontakt aufnehmen (Allein spielen, Nein sagen, Mitspielen) und Konflikte lösen. Um dies umsetzen zu können, beobachten die Pädagoginnen die Kinder aufmerksam und helfen ihnen mit direkter Führung durch schwierige Situationen.  

Beispiel: Konflikt zwischen 2 Kindern 

Im Konfliktfall darf es NIEMALS um die Schuldfrage gehen. Die Kinder müssen wissen, dass alle Beteiligten gehört werden. Dadurch wird Sicherheit und Geborgenheit vermittelt. Je sicherer und ausgeglichener ein Kind ist, umso leichter kann ein Konflikt gelöst werden. Falls ein Kind aber schlägt oder beißt, wird sofort eingegriffen und dem Kind erklärt, warum das nicht in Ordnung ist. 

Wenn diese Fertigkeiten erlernt wurden, steht einem Wechsel in die Unten-Gruppe (3-6jährige) nichts im Weg. In der Unten-Gruppe wird die Selbstständigkeit geschult und die eigene Persönlichkeit erforscht. Es herrscht eine „Ich bin gut so wie ich bin“-Mentalität. 

Voraussetzung dafür ist: das Kind muss sich selbst spüren, es muss wissen, was es braucht und dies auch kommunizieren können. Dies gelingt zum Beispiel durch folgende pädagogische Angebote: 

  • Bewegungsentwicklung, im Garten, durch Hengstenberg Turnen (Schwerkraft als zentraler Anker für die Kinder) oder durch selbstständige Experimente. Diese schulen Freude, Neugier und Entdeckergeist.
  • Kosmik, Mathematik, Sprache 
  • Sinnesmaterial (zur Schärfung der Sinne) 
  • Graduierungen (getrennte Eigenschaften (z.B. nur 1 Farbe), Geräuschdosen (von laut nach leise) 
  • Feinmotorik (Jause, An- und Ausziehen)
  • Übungen des täglichen Lebens (freies Ausprobieren durch vorbereitetes Material)
  • Fremdsprachenerwerb (Tägliches Hören von Wörtern/Sätzen (unsere Native Speaker Corinna spricht bei jeder Gelegenheit mit den Kindern, z.B. Singen beim Mittagessen) oder mittels Lernkarten/Figuren/Box (z.B. Präpositionen (the doll is in, under, inside or on the box) 
  • Emotionale Kompetenz (Vor allem das Erkennen und Benennen von Emotionen ist essenziell zur Entwickelung von Empathie.)

Das letzte Kindergartenjahr

m letzten Kindergartenjahr droht der Verlust von Gewohntem und Bekanntem. Der kommende Schulstart ist ein Sprung ins Ungewisse (bei uns Erwachsenen in etwa vergleichbar mit einem Jobwechsel). Die Kinder versuchen durch mehr Distanz zu den Pädagoginnen mit dem „Kinderhaus“ bereits emotional abzuschließen. Das Abnabeln muss unterstützt und „erlaubt“ werden und ist auch so in Ordnung. Dennoch werden Bedürfnisse nach Nähe und Sicherheit befriedigt, wenn das Kind dies braucht. 

Die Kinder werden in dieser Phase gestärkt durch: 

  • Sicherheit geben bei Fragen wegen neuer & alter Freunde
  • Akzeptanz, wenn Fehler passieren – dadurch wird der Selbstwert bestärkt
  • Zurückgreifen auf Ressourcen/Können/Erlerntes 

Zum Abschluss des Abends gaben uns die Pädagoginnen eine kleine Geschichte zum Nachdenken mit: 

Eines Tages erschien eine kleine Öffnung in einem Kokon; ein Mann beobachtete den zukünftigen Schmetterling für mehrere Stunden, wie dieser kämpfte, um seinen Körper durch jenes winzige Loch zu zwängen. Dann plötzlich schien er nicht mehr weiterzukommen. Es schien, als ob er so weit gekommen war wie es ging, aber jetzt aus eigener Kraft nicht mehr weitermachen konnte. So beschloss der Mann, ihm zu helfen: Er nahm eine Schere und machte den Kokon auf. Der Schmetterling kam dadurch sehr leicht heraus. 

Aber er hatte einen verkrüppelten Körper, er war winzig und hatte verschrumpelte Flügel. Der Mann beobachtete das Geschehen weiter, weil er erwartete, dass die Flügel sich jeden Moment öffnen und sich ausdehnen würden, um den Körper des Schmetterlings zu stützen und ihm Spannkraft zu verleihen. Aber nichts davon geschah. Stattdessen verbrachte der Schmetterling den Rest seines Lebens krabbelnd mit einem verkrüppelten Körper und verschrumpelten Flügeln. Niemals war er fähig zu fliegen. 

Was der Mann in seiner Güte und seinem Wohlwollen nicht verstand, dass der begrenzende Kokon und das Ringen, das erforderlich war, damit der Schmetterling durch die kleine Öffnung kam, der Weg der Natur ist, Flüssigkeit vom Körper des Schmetterlings in seine Flügel zu befördern. Dadurch wird der Schmetterling auf das Fliegen vorbereitet.  

Manchmal ist das Ringen genau das, was wir in unserem Leben benötigen. Wenn wir durch unser Leben ohne Hindernisse gehen dürften, würde es das lahmlegen. Wir wären nicht so stark, wie wir sein könnten, und niemals fähig zu fliegen. 

“Freiwillige vor, denn ohne tatkräftige Unterstützung läuft unser MINI-Unternehmen IchDuWir nicht rund 😊.“ 

Neben dem pädagogischen Schwerpunkt waren auch noch Vereinsthemen auf der Tagesordnung. Da unser Kinderhaus ein elterngeführter Verein ist, übernehmen wir Eltern – ähnlich wie in einem Unternehmen (nur eben ehrenamtlich) – vielerlei unterschiedliche Tätigkeiten. Gesucht wurden: ein/e Kinder-Haus-Meister/in (also jemand, der sich rasch um kleinere und größere Reparaturen kümmert), ein Projektmanager fürs Ausmalen sowie Personen für Rechtsberatung, IT, Marketing & Kommunikation sowie Sponsoring.  

Wir freuen uns, dass sich für alle anstehenden Jobs Mamas und Papas gefunden haben, die diese gerne übernehmen. 

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